GHOSTPOET

Die meisten von uns sind, auch wenn es oberflächlich betrachtet auf den ersten Blick anders wirkt, letztlich ziemlich gleich. Dabei liegt die Ähnlichkeit im Detail…oder wenn man sich die Sache von ganz Nahem anschaut, in der Sache der Natur und unserer Einzelteile. Nämlich unserer Knochen, dem Blut, der Haut und unserer Seelen – und auf dieser Ebene gleichen wir uns alle. Und jeder von uns durchläuft von Zeit zu Zeit Höhen und Tiefen. Doch auch daran gleich wir uns alle: Wir entscheiden, was wir aus dem morgigen Tag machen, sind so gesehen Schmied unseres eigenen Glücks!

„Shedding Skin“ ist morgen, nur schon heute – zumindest ist das dritte Ghostpoet- Album für den Künstler dahinter eine neue Herausforderung, ein neues Kapitel in seinem Schaffen, ein frischer Gedanke und auch die letztlich nötige Katharsis nach den Vorgänger-Alben. Denn auch wenn die Vergangenheit wichtig ist, ist das dritte Studio-Album ein mutiger Neustart für den Londoner Obaro Ejimiwe. Ein neuer Weg der Produktion und ein neues Kapitel im Sound von Ghostpoet.

Nachdem sich der Künstler mit seinem 2013er Album „Some Say I So I Say Light“ mit den Tiefen einer Beziehungstrennung beschäftigte und sich persönlich und seine Gefühle in den Mittelpunkt des Geschehens stellte, nimmt er auf „Shedding Skin“ Abstand, um sich auf das zu fokussieren, was er liebt: sitzen, beobachten, überdenken, erschaffen. Dadurch erinnern die neuen Songs teilweise an das Mercury Preis-nominierte Debütalbum „Peanut Butter Blues & Melancholy Jam“ – zumindest was den Ausgangspunkt des Künstlers anbelangt: Frei von belastendem Gepäck, mit der Möglichkeit einen Moment und ein Gefühl in einem Song einzufangen und gleichzeitig offen für neues Potential und kreative Kollaborationen.

Letztlich entstanden ist dabei ein warmes, organisches Album, eingespielt von den Musikern, die mittlerweile auch fester Bestandteil der Live-Shows von Ghostpoet geworden sind: Joe Newman spielt Gitarre, John Calvert Bass und John Blease Drums. Nur konsequent, dass John Calvert auch als Co-Produzent auf dem Beipackzettel des Albums prangert. Doch nicht nur seine Live-Musiker fanden den Weg ins Studio und aufs Album – auch diverse Gastsänger verwirklichten sich auf „Shedding Skin“, darunter Lucy Rose, Etta Bond, Nadine Shah, die belgische Sängerin Melanie De Biasio oder auch Maximo Park Frontmann Paul Smith.

Zusätzlich ließ sich Ejimiwe auch von niemand Geringeres als Brian Eno beeinflussen: „Brian Eno told me, when I was in Mali participating in African Express, that it was always best to record an album quickly, and then move on. That philosophy really stuck with me, and I brought it to the fore when making this album.”

Innerhalb von vier Monaten entstanden so letztlich die fertigen Songs, basierend auf den ersten Demos. Trotz des kurzen, aber intensiven Erstehungsprozesses des Albums ergeben die 10 Songs letztlich ein perfektes Ganzes und jedes der Lieder hat seinen eigenen, nicht austauschbaren Platz darauf gefunden. Die Höhen und Tiefen darin, handeln von häuslicher Gewalt, dem aufrüttelnden Aufeinandertreffen mit dem Ex-Partner und ihrem neuen Liebhaber, die Verlegenheit am Morgen nach einem One-Night-Stand zur Wahrnehmung von Obdachlosen. Schwerwiegende Emotionen, doch mit genug Abstand betrachtet und artikuliert, um mehr aufzurütteln als zu ersticken.

„I try to write instinctively, and see things from various points of view,”, sagt Ejimiwe über die Thematik des dritten Ghostpoet-Albums, der darauf die Balance gefunden zu haben scheint, nicht mit dem Finger auf andere zeigt, sondern Perspektiven auftut und entstehen lässt: „We all go through ups and downs on a daily basis, regardless of your status, or how much money you have. Regardless of your situation, there’s always hope. And I think that’s something that’s come through in everything I’ve made, because I believe it so much. It’s an eternal thing.” “For this album, it felt silly to focus just on how great, or not, my own life is,” sagt Ejimiwe weiter, „My life is only one amongst millions. And that’s the attitude of it.”

Millionen Menschen, die sich durch ihr Leben kämpfen und trotz ihrer Schwächen, Makeln und ihrer teilweise unerreichbaren Ambitionen auf ihre Weise doch perfekt sind. „Shedding Skin“ zelebriert diese unterschiedlichen Identitäten, feiert das Kleingliedrige im großen Ganzen. So zeigt das Cover des Albums auch einen kleinen Teil Ejimiwes – nämlich eine Zelle des Künstlers, wie sie auch in jedem anderen Menschen vorkommt.

Während Ghostpoet immer noch lernt und wächst, wie wir alle, ist „Shedding Skin“ eine ziemlich gute Momentaufnahme des Schaffen eines Künstlers, der eine neue Tür öffnet und das Beste aus dem Hier und Jetzt macht.