Big Deal

Es hat sich eine gehörige Menge getan, seit Big Deal im September 2011 ihr von der Kritik gefeiertes Debut >Lights Out< veröffentlicht haben. Bestehend aus dem gebürtigen Kalifornier Kacey Underwood und der Londonerin Alice Costelloe, trafen ihre zuhause komponierten Songs einen unmittelbaren und nachhaltigen Nerv bei Fans und Kritikern weltweit.

Aufbauend auf gekonnten Melodiebögen und nur zwei Gitarren als Instrumentierung war es genau diese sparsame Darbietung, die den richtigen Rahmen für die aufrichtigen und bisweilen schockierend intimen Texte bot und sie so in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte. Jeder, der den schmerzlichen Nachhall unerwiderter Liebe oder unwiderbringlich verloren gegangener Gefühle erlebt hat, ach was: jeder, der jemals Gefühle für irgendjemanden hatte, wird sich in der Musik von Big Deal wiederfinden und von Songs wie Lyrics gleichermaßen bewegt sein.

Gleichwohl waren auch die Livekonzerte der beiden unvergessliche Momente, schaffte es die besondere Chemie zwischen den beiden Protagonisten stets aufs Neue. ihre Zuhörerschar enger zusammenrücken zu lassen und die kollektive Aufmerksamkeit völlig auf die Musik zu lenken. Teilten sie gerade ein Geheimnis mit ihrem Publikum oder belauschte man gerade einen intimen Moment? Was auch immer der persönliche Rückschluß jedes einzelnen gewesen sein mag, Big Deal schlossen einen Pakt mit jedem, der sie entdeckte.

»Ich bin echt stolz auf das erste Album« sagt Underwood, »es war so minimalistisch und fing dabei exakt ein, wie wir zu diesem Zeitpunkt geklungen haben- es hat diesen besonderen Moment perfekt festgehalten«.

Doch kaum war die Katze aus dem Sack und die Mund-zu-Mund Propaganda in vollem Gang, sahen sie sich gezwungen, die kleineren Venues, die so hervorragend zu ihrer Musik und Art der Darbietung passten, zu verlassen, um in England, Europa und Amerika größere Hallen zu bespielen. Und da sowohl Underwood als auch Costelloe aus Rock-Backgrounds stammen. fehlten ihnen. je mehr sie tourten. der Punch und das Potential mit einer vollen Band auf die Bühne zu gehen.

>>Unser erstes Album war ursprünglich gar nicht als solches gedacht<< erklärt die 20jährige Costelloe, »wir verbrachten den Sommer damit, nonstop Songs zu schreiben und sind darüber Freunde geworden, also war es naheliegend und supereinfach, nur unsere Stimmen und unsere beiden Gitarren aufzunehmen. Aber als wir die Platte tourten. wurden wir immer neidischer aufalldie anderen Bands, die Drums hatten«.

Schnellvorlauf auf Frühling 2012: Big Deal fanden sich in der für sie enorm luxuriösen Situation wieder, Zeit zu haben und ihre Zeitpläne nicht um Costelloes Abitur und Underwoods Job bauen zu müssen. »Dieses Mal haben wir die meiste Zeit des Jahres neues Materialgerschrieben und hatten die Zeit, uns darüber klar zu werden. was für eine Art von Platte wir eigentlich machen wollten. Wir wollten uns in jedem Falle nicht mehr selbst limitieren und nur unsere beiden Gitarren einsetzen. sondern mit einer größeren Auswahl an Sounds und Emotionen arbeiten« .

Nach ihren Auftritten bei der SXSW Musikmesse in Austin. Texas. nutzten Big Dealdie Gelegenheit. in den Süden Kaliforniens zu reisen. wo ihr zweites Album >June Gloom< anfing, Form anzunehmen. Und wie es sich für das transatlantische Duo gehört. das den
Löwenanteil des Schreibens zwischen Kalifornien und London aufteilt, färbte die Umgebung natürlich a uc h auf die jeweilig en Kompositionen ab.

Der sorglose. sonnige Pop von >in your car< beispielsweise klingt nach
endlosen Sommertagen und natürlich begann die Grundidee des Songs beim Entlangcruisen an der kalifornischen Küste, als Costelloe plötzlich anfing, die Melodie zu summen. »Diese Sorte spaßigen Road Trip Songs fällt Bands aus England üblicherweise eher nicht ein, da es schlicht nicht Teil der englischen Kultur ist«, erklärt Underwood.
Im Gegenzug sind die grollende Grooves und die schleichende Klaustrophobie von >pillow< in England entstanden.

Wie dem auch sei, beide Orte boten letztlich zu viel Ablenkung: Kalifornien durch Sonne und See, London mit seinem metropolitanen Stadtleben. Also zogen die beiden sich- wie unzählige Künstler vor ihnen- in die Abgeschiedenheit der ländlichen Umgebung zurück.
>>Es war perfekt<<, erinnert sich Underwood, >>Riesenvorteil: Keinerlei Ablenkung. Riesennachteil: Das Grauen des ruhigen Landlebens…«

Zusammen mit Produzent Rory Atwell und einer luftdicht zusammenspielenden Rhythmussektion, begannen Big Deal, >June Gloom< auf Lightship95, einem umgebauten Leuchtschiff in Ost-Londons Trinity Buoy Werft aufzunehmen.

Aufgenommen in zwei Wochen im fensterlosen Schiffsrumpf holte Atwells eiserner Arbeitsethos und sein profundes Nerd-Wissen über Gitarreneffektpedale das Beste aus der Band heraus- auch wenn es einige Zeit dauerte, bis sie sich an die wechselnden Gezeiten der Themse und die daraus resultierenden Schwankungen gewöhnt hatten.

>June Gloom< markiert nicht nur soundmäßig einen Schritt voran, sondern auch textlich erweitert das Duo die Themen ihrer bisherigen Arbeiten. War >Lights Out< eine intime und interne Angelegenheit, ist >June Gloom< ebenso emotional- nur diesmal eben auch unter Einbeziehung der Aussenwelt. Die Thematik von Erwartung vs. Realität, die sich im bittersüssen >catch up< wiederfindet oder das selige > dream machines< – einem der herausstechenden Songs des neue Albums- in dem es um einen wiederkehrenden Traum geht, öffnen das Spektrum der behandelten Themen um ganz neue Facetten.

»Ich habe immerzu geträumt, Jahr um Jahr in die Schule zurückkehren zu müssen, weil ich die Tests nicht bestand und war irgendwann so alt wie ich jetzt bin, während alle anderen sechzehn waren.«, erinnert sich Underwood, »bis ich diesen Moment von >Sekunde Mal, warum bin ich überhaupt noch hier?< hatte und dachte > das ist doch bescheuert, lass die Schule sausen und rauch stattdessen lieber Gras, spiele Pool und häng rum!<, nebenbei keine Dinge, zu denen ich jemals in echt gekommen wäre. Und dann dachte ich mir, dass es eben ähnlich mit dem ist, was ich in meinem Leben gerade mache….der typische Rock­ Traum eben. keinem geregelten Job nachgehen zu müssen und gleichzeitig nicht zu schätzen zu wissen. was das Leben einem schenkt<<.

Den mutigsten Streich markiert das Finale von >June Gloom< namens > Close your eyes<, das die bewußt zurückhaltende Ästhetik vom > Lights Out< mit verzerrten Fuzzgitarren und treibendem Schlagzeug vermählt, was die neue Besetzung der Band nun zuließ. Im Grunde genommen ist >June Gloom< eine Rockplatte, die alle Aspekte des Duos abbildet, die Fähigkeit, durch die reduzierte Darbietung eine Vielzahl von Menschen anzusprechen, als auch die, Songs zu schreiben, die einen dank ihrer lieblichen Melodien mitreißen und so zu echten Slacker Hymnen avancieren.

>>Manchmal ist es großartig, s o exponiert auf der Bühne zu stehen und eine echte Verbindung mit dem Publikum zu spüren, manchmal ist es auch eine echte Qua<l<, so Underwood. »aber während wir vorher dies en Kampf nur zu zweit aufnehmen konnten. haben wir jetzt eine Gang!«.

»Und Schwerter«, fügt Costelloe mit schiefem Grinsen hinzu.