CHARLIE BARNES

Ziemlich verwirrend und gleichzeitig schwer faszinierend war, das, was Charlie Barnes in seinen Anfangstagen als Musiker in Studentenkneipen und Souterrain-Bars der dünn besiedelten, britischen Pennines oder auf Festivals wie dem Melt! Oder Reeperbahn Festival zum Besten gab. Irgendwie schien da ein Mann seinen einsamen Kampf gegen eine Maschinerie aufgenommen zu haben, an dessen Ende eine Solo-Rockoper stand. Die Songs entstanden direkt auf der Bühne, wo Barnes auf seinem Stuhl saß wie das Sixties-Duo Silver Apples unter Amphetaminen. Das, was ein Gewirr von Loop Pedals, Keyboards, Pads und Samplern an Klängen aussandte, schien seinen gekrümmten Körper zu durchlaufen.

Daran hat sich auch auf seinem neuen Album „More Stately Mansions“ nicht viel geändert – außer dass Barnes jetzt einigen Kollegen die Mitarbeit und ihre eigenen Ideen am Projekt erlaubt. „So Zeug“, sagt er, „das einfach nur sein Level hält und brav im Hintergrund sitzen bleibt, hat mich nie interessiert“. Er bevorzuge Musik, die aufmerksames Zuhören für sich einfordere, „ich möchte herausfinden, auf welche Art und Weise sich Musik zu etwas komplett Neuem formen lässt und was passiert, wenn man das Ganze dann einfach wieder umschmeißt“. Ihm dabei zuzusehen ist fast schon so etwas wie ein aufregender Akt der Hingabe an Charlie Barnes‘ Schöpferkraft.