The Delta Riggs

New York, CMJ Music Marathon 2013: In einem winzigen Club namens Left Field macht sich eine fünfköpfige australische Band bereit, auf die Bühne zu gehen – wie hunderte andere Bands in der Stadt zum selben Zeitpunkt ebenfalls.

Man munkelt, dass Julian Casablancas an diesem Abend im legendären Piano’s nach neuen Bands für sein Label Ausschau halten wird, Street Art Künstler Banksy enthüllt an einer Häuserwand in der Lower East Side ein neues Werk, das eine riesige Menschenansammlung mit ihren Smartphones versucht, bestmöglich abzulichten, die nächsten großen Dinger in Sachen heißer neuer Bands buhlen um Aufmerksamkeit – die Dringlichkeit der dringlichsten aller Städte scheint sich für einen Moment zu überschlagen.
Doch all dies ist wird nebensächlich, als die fünfköpfige australische Band zu spielen beginnt: The Delta Riggs aus Melbourne amalgieren die bluesige Lässigkeit der frühsiebziger Stones, den dreckigen und mitreißenden Sound der Black Keys, Sixties Soul und die Euphorie von Primal Scream in der Screamadelic-Phase zu einem ganz eigenen Gebräu, dem es gelingt, die Zeit still stehen zu lassen und die Elektrizität New York Citys für eine halbe Stunde auszuschalten.

Die Band ist optisch die perfekte Entsprechung dessen, wie man sich die ›last gang in town‹ vorstellt: Komplett einheitlich in Jeans und Jeansjacken mit Band-Logo auf dem Rücken gewandet – und alles selbstredend so wursteng, wie es nur mit profundem rockhistorischen Wissen bewanderte Mittzwanziger hinbekommen, ohne dabei völlig lächerlich auszusehen.
The Delta Riggs stellen auf der CMJ nicht nur ihr im April2013 erschienenes Debut ›Hex.Lover.Killer‹ vor, sondern bereits auch große Teile ihres neuen Albums ›Dipz Zebazios‹, das im Frühjahr 2014 das Licht der Welt erblicken wird.
Das macht nicht nur deutlich, dass die Band neben ihrem Sixties-Look auch die Arbeitsethik des goldenen Zeitalters der Rockmusik hochhält, sondern vielmehr, dass sie auch dieselbe Neugier dieser Ära an den Tag legen, neue Sounds und Herangehensweisen in ihren Songs auszuprobieren und dabei keinerlei Angst vor etwaigen Genregrenzen haben.
Schon die Single ›Supersonic Casualties‹ lässt zu, was dieser Tage beinahe eine Rarität darstellt: Sie gibt dem Song die nötige Luft, die er benötigt, damit der Groove zu federn anfangen kann. Klar ist ›Supersonic Casualties‹ für eine Rockband ein eindeutiger Flirt mit dem Pop – aber auf bestmögliche Weise. Denn das gekonnte Arrangement und nicht zuletzt die herrlich soulige Kratzbürstenstimme von Sänger Elliott Hammond (einigen vielleicht noch als Drummer und Organist der letzten Live-Besetzung von Wolfmother in Erinnerung) machen hier den entscheidenden Unterschied.
Ihr könnt’s noch nicht wissen: Aber ihr werdet diese Band lieben! Versprochen!