THE LAST THINGS

One –Two – Three – Stop! Die Drei, die isses. Ist natürlich Ansichts- und Geschmacksache, aber wir nominieren die Drei. „Shake ’em Blues“ ist so etwas wie ein Konzentrat des gesamten Albums, das The Last Things gerade aufgenommen haben. Kann man auch anders sehen, tun wir aber nicht. Das Teil hat fetten Dreck unter den Nägeln, das knackt und knistert wie eine alte Straßenbahn kurz vor dem Entgleisen, und alle reißen voller Angst die Augen auf und schauen hin und versuchen, sich die Gänsehaut im Nacken glatt zu streichen. Und dann, nach zwei Minuten sieben Sekunden, dieser schwurbelige Disco Beat, diese zerkratzten Riffs von der Gitarre, die gerade noch wie unter Prügeln heulte, und dieses Finale wie bei Savoy Browns „Hellbound Train“, bloß eben, dass dieses Mal der Zug leider vor der Endstation einfach kurzer Hand von der Strecke abkommt. Oder Gott sei Dank.

The Last Things ist ein ernst, ein wahrlich bierernst gemeinter Name. Alles, was auf diesem Album zu hören ist, klingt ganz fatal schon so, als gäbe es kein Morgen mehr. Nach 37 Minuten und 49 Sekunden allerdings fragt man sich ganz unwillkürlich: Wozu auch? Und drückt auf Repeat. Dieses Hamburger Quintett plündert endlich mal keine Rock-Geschichte, sondern erinnert sich ihrer mit ungelispeltem Respekt und sucht nach jenen erinnerungswürdigen Orten, wo sie in der Zukunft vielleicht ihre Claims abstecken könnte. Ungefähr so, wie das vor Dekaden The Seeds oder Doctor Feelgood getan haben. Milk and Alcohol? Lieber keine Milch, die ist was für Kinder im erhofften Wachstum.

Wenn Sänger Frehn Hawel die ersten Zeilen von „Calculators“ singt, dann hat man das mulmige Gefühl, Soft Cells „Tainted Love“ hätte eigentlich ganz anders, nämlich so wie hier, nämlich nach der nahen Katastrophe klingen müssen. Eigentlich klingen fast alle Songs von The Last Things so, als seien hier die Versionen vergrabener Schätze so zu hören, wie sie eigentlich gedacht waren: Als Panik erzeugende Meldungen aus einem Hochwassergebiet, in dem nicht mehr viel zu retten ist. Das Einzige, was noch bleibt: Tanzen und hemmungsloser Sex zum unabwendbaren Untergang. Mit manchmal bösem “Lalala“ zwischendrin, aber vor allem total unberechenbar.

Mit ihren beiden Vorgängern, mit OneTwoThreeFour und Tigerbeat haben The Last Things bestenfalls noch den Standort und dessen stilistisch jenseits der leidigen Hamburger Schule unverstellten Zugang zu Musik gemein, alles Andere hat sich gewandelt. Was sich eventuell noch sagen ließe mit dem unverheulten Blick auf die Historie: Frehn Hawel, Michael Schirmer, Mario Stresow, Kristian Meyer und Simon Nußbruch haben zum nächsten Unikat verschweißt, was die Vorgänger schon zu einem solchen machte und es zum Glück versäumt oder clever gar nicht erst versucht, verdammte Kontinuitäten überzubewerten. Und genau deshalb schlagen wir nicht nur Song Nummer drei als Hymne für den kommenden Winter, sondern auch gleich noch eine Umbenennung der Band in „The Next Things“ vor.