Wye Oak

Duos gibt es viele im weitläufigen Genre des Alternative Rock und Indierock. Doch nur wenige klingen so komplex, vielschichtig und rund wie Wye Oak aus Baltimore. Schließt man bei ihren Songs die Augen, entsteht der Eindruck, man habe eine Truppe von vier bis fünf Musikern vor sich. Nachdem seit ihrem letzten Album „Civilian“ knapp drei Jahre vergangen sind, erscheint am 25. April endlich der Nachfolger „Shriek“.

Bereits zu Highschool-Zeiten machten Jenn Wasner (Gesang, Gitarre, Bass) und Andy Stack (Schlagzeug, Keyboard, Backup-Gesang) gemeinsam Musik. Offiziell als Duo taten sie sich 2006 zusammen, firmierten zunächst unter dem Namen Monarch, bevor sie sich in Wye Oak umbenannten – eine Referenz an den Ehrenbaum ihres Heimatstaats Maryland. Über die Jahre entwickelten sie ihren eigenen Sound, der der ungewohnten Aufteilung der Instrumente geschuldet ist: So spielte Andy meist mit der linken Hand die Bassakkorde am Keyboard während er gleichzeitig mit den anderen drei Gliedmaßen das Schlagzeug beackerte. Jenn hingegen übernahm mit Gesang und Gitarre die Melodieverläufe der Songs. 2007 veröffentlichten sie auf eigene Faust ihr Debüt „If Children“. Merge Records wurde daraufhin auf sie aufmerksam und re-releaste das Album.

Bereits ein Jahr später folgte mit „The Knot“ das nächste Album und Schritt für Schritt vergrößerte sich ihre Anhängerschaft, vor allem in den USA, aber auch im Ausland hörte man interessiert auf. Spätestens 2011 gelang ihnen mit „Civilian“ der internationale Durchbruch. Wye Oak begeisterten Fans und Fachpresse mit ihrer konsequenten Vorgehensweise, sich nicht an konventionelle (Song-)Schemata zu halten. Vielmehr bestachen die einzelnen Tracks durch faszinierende Akkorde und Melodien, Jenns Stimme und ihre fesselnden Lyrics sowie hypnotisierende Rhythmen und Klanglandschaften.

Für „Shriek“ haben Wye Oak ganz bewusst mit den bislang erfolgreichen Strukturen gebrochen. Man hört in den zehn Songs keinen einzigen Gitarrenakkord – stattdessen hat sich Jenn den Bass umgehängt und Andy übernimmt mit Keyboard und Piano die bisherige Melodie-Arbeit der Gitarre. Verzerrte Gitarrensounds gehören der Vergangenheit an, nun findet man Mantra-gleiche Muster geschichteter Piano- und Synthesizer-Motive. Auch das Songwriting durchlief eine Metamorphose, selbstzerstörerische Ansätze traten in den Hintergrund, eine Geschichte über Orientierungslosigkeit, Verlust, Erneuerung und Ermächtigung ist jetzt von zentraler Bedeutung. So wie ihre gewaltigen Live-Shows im einen Moment zeitgleich Liebe, Terror und Verlust aufbauen, um sie im nächsten Augenblick wieder niederzureißen, haben sie ein Album erschaffen, das den persönlichen Kampf um Frieden ergründet – jedoch innerhalb des instinktiven, unterbewussten Geistes. Für Jenn eine rundum positive Entwicklung: „Es fühlt sich gut an, glücklich und mit sich selbst im Reinen zu sein.“ Wie Recht sie hat!